Jeder kann für sich selbst entscheiden, wo die Grenze seiner Entwicklung liegt. Ich höre oft den Satz: „Alles ist möglich.“
Schön wär’s ... oder ist da tatsächlich etwas dran?
Ich beginne chronologisch, mit einem Beispiel: Ein Kind wächst in einem bestimmten Umfeld auf. Eltern oder Erziehungsberechtigte ziehen es nach subjektiven Vorstellungen von „richtiger“ Kindererziehung und einer gesellschaftlich anerkannten Moral auf. Handlungen werden bewertet, belohnt oder bestraft. Es findet eine Konditionierung statt und eine Identifikation (von lateinisch identitas – „Wesenheit“ – und facere – „machen“). (...)
Nach der Erziehung ist dieses Kind zunächst einmal alles Mögliche – und im besten Fall trifft eine Schnittmenge der anerzogenen Identifikationen den natürlichen Kern und Charakter des Kindes.
Als Erwachsener versucht man sich dann an Bedürfnissen zu orientieren – kann diese jedoch oft nicht mehr richtig einordnen: Ich will essen... will ich überhaupt essen? Ich will noch schnell für meine Mutter einkaufen gehen. Ich brauche das neue Auto? Ich will Anerkennung, ich brauche Macht, ich brauche Dinge, Sex, Geld usw.
Und: Ja! Genau das soll auch Teil des Lebens sein. Denn ich bewerte nicht in „gut“ und „schlecht“ – ein weiser Mensch wird niemals ein Moralapostel sein, weil er weiß, wie das Leben spielt. Und „spielen“ trifft es tatsächlich sehr gut: Am besten lässt sich die Symbiose, die Funktionsweise und die Dynamik des Lebens mit dem Zusammenspiel eines Orchesters vergleichen. Es geht nicht darum, ob man jetzt die Trompete mag oder nicht. Sie ist einfach eine Trompete – und gehört zum Repertoire. Es geht vielmehr um eine gewisse Ordnung, die durch die physikalischen Gesetze und Gegebenheiten unserer Welt notwendig ist, um ein gewünschtes Ergebnis zu erzielen.
Und dann stellt sich die nächste Frage: Welches Ergebnis will ich überhaupt erzielen? Will ich mein Publikum mit ein paar geschickten Tönen beeindrucken, sodass es Eintrittskarten kauft und mich weiterempfiehlt – damit der Zustand „viele zufriedene Kunden“ in Resonanz mit mir geht?
Übrigens: In Resonanz (von lateinisch resonare – „widerhallen“) steckt sonus, was „Ton“ bedeutet.
Dann sollte ich verstehen, wie das Spiel funktioniert. Die Mechanismen, die Einfluss nehmen, unterliegen glücklicherweise unbeugsamen Korrelationen und Kohärenzen. Das bedeutet: Ich kann den Bereich meiner Möglichkeiten maßgeblich beeinflussen. Schon allein durch die Fragen: „Was muss ich wirklich? Was muss ich nicht?“ So steigert man die Effizienz, indem man keine Ressourcen mehr in Situationen im Außen verschwendet, die nichts zum eigenen Ziel oder Bedürfnis beitragen.
Wenn man zusätzlich gesellschaftliche Wertvorstellungen hinterfragt und aus dem eigenen System entfernt, die nicht zum Ziel passen – dann wundert man sich, wie viel Zeit und Energie am Ende des Tages noch übrig bleiben. Die gesteigerte Lebensqualität bringt Expansion – und natürlich Lebensfreude. Neue Träume beflügeln die Motivation und wir gelangen in eine Aufwärtsspirale, in der wir einfach ausprobieren können, wie weit unsere Möglichkeiten reichen.
Denn: Theoretisch ist alles möglich. Die eigentliche Frage ist jedoch: Will ich überhaupt alles haben?
So viel zur 3-Minuten-Theorie. Interessant wird es jetzt in der Praxis:
Was ist Ihr nächster Schritt – und wer hat Ihnen eigentlich gesagt, dass Sie nicht egoistisch sein dürfen?!